Nein sagen ist schwer

10 Tipps auf sanfte Art „Nein“ zu sagen und nicht zu verletzen

Vielen Menschen fällt es schwer, auf die Bitten anderer „Nein“ zu sagen. Das ist grundsätzlich noch nichts Negatives, bliebe da nicht der schale Nachgeschmack, wieder einmal mehr die eigenen Bedürfnisse hintangestellt zu haben.
Die Gründe, warum wir häufig lieber „Ja“ als „Nein“ sagen, sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Nett und hilfsbereit zu sein ist nicht nur im privaten Umfeld ein hoher Wert, sondern wird auch – Gott sei Dank – in vielen Unternehmen geschätzt und gepflegt. Wir helfen gerne der Kollegin aus, die gerade in Arbeit versinkt, das Zusammenleben wird auch viel angenehmer, wenn man sich im Team gegenseitig unterstützt, und natürlich ist der Chef der Letzte, dem man noch eine letzte kleine Aufgabe vor Dienstende, abschlagen will oder kann.
Irgendwann aber kommt für fast jeden der Punkt, wo es nötig ist, eine Bitte abzulehnen und auch nicht zum wiederholten Male für die lieb gewonnene Kollegin den Wochenenddienst zu übernehmen. Wenn auch Sie damit Schwierigkeiten haben, lade ich Sie recht herzlich ein, den einen oder anderen Tipp auszuprobieren.

Schaffen Sie für sich Klarheit

Achten Sie einmal genau auf Ihre Gefühlslage, wenn Sie das nächste Mal vor der Entscheidung stehen „Ja“ oder „Nein“ zu sagen. Es gibt einige Strategien mit denen es unsere Gesprächspartner nicht gerade leicht machen, eine Bitte auszuschlagen. Wir werden erpresst, überrumpelt und uns wird geschmeichelt. Es wird versucht bei uns Schuldgefühle zu erwecken oder jemand kommt uns ganz dreist auf die Mitleidstour.

Es hilft nichts! Sie müssen herausfinden, bei welcher Strategie es Ihnen unmöglich wird Nein zu sagen. Wenn Sie sie entlarvt haben, fällt es Ihnen umso leichter in der Folge ein Nein auszusprechen.

Geben Sie sich selbst Zeit

Bitten Sie ruhig um etwas Bedenkzeit. Sie müssen nicht auf der Stelle Ja oder Nein sagen. Sagen Sie ruhig: „Ich muss darüber einen Moment lang nachdenken.“ Diese Zeitspanne ermöglicht es Ihnen für sich ein paar Fragen zu beantworten und nicht wieder automatisch Ja zu sagen und nachher ärgerlich auf sich selbst zu sein.

1.    Was wird da genau von mir verlangt?
2.    Wie viel Zeit, Energie und auch Lust habe ich dazu?
3.    Was hat das Ja für mich für Folgen?
4.    Wer ist es, der mich um etwas bittet?
        Welche Bedeutung hat dieser Mensch für mich?
5.    Wie oft habe ich für diese Person schon etwas getan – möchte ich es noch einmal tun?

Treffen Sie eine Entscheidung

Sich zu entscheiden bedeutet immer etwas zu wählen und etwas anders dabei gleichzeitig auch abzuwählen. Man kann nie alles zugleich haben. Wer Ja aus ganzem Herzen sagt, wird auch diesem Ja Energie bekommen. Ein Ja zählt aber mehr, wenn es nicht immer selbstverständlich ist. Wer nicht Nein sagen kann, entwertet auch sein Ja.
Wir alle haben nur ein gewisses Maß an Zeit- und Kraftreserven. Nein zu sagen, bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen und die eigenen Ressourcen zu schützen. Das Ziel ist Ja und Nein sagen zu können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben und trotzdem für seine Hilfsbereitschaft geachtet zu werden. Gerade wer sein Nein vor sich - und vor andern - gut begründen kann, zeigt dass er sich selbst wertschätzt. Die Wertschätzung anderer kann nur auf dieser Selbstachtung begründet sein.

Üben Sie das „Nein“ auf sanfte Art

Ein Nein muss klar sein. Gerade das fällt uns aber schwer. Wenn Sie etwas nicht tun wollen, dann sagen Sie das so deutlich wie es für Sie möglich ist, aber auch so, dass der Andere es nicht missinterpretieren kann. Das kann behutsam und freundlich sein, eben so, dass das Nein nicht verletzt.

Die folgenden 10 Tipps sollen Ihnen dabei helfen:

1.    Geben Sie Ihrem „Nein“ eine Begründung
Damit ist nicht eine Rechtfertigung gemeint! Mit Ihren persönlichen guten Gründen machen Sie es dem anderen auch leichter dieses Nein anzunehmen. Sachliche Begründungen machen zudem deutlich, dass das Nein nicht gegen die Person gerichtet ist.
  • Nein, weil …
  • Nein, ich mache gerade etwas für …
2.    Bieten Sie eine Alternative an
Vielleicht haben Sie spontan eine Idee oder eine Anregung, wie der Andere sein Anliegen selbst lösen kann. Sie zeigen damit, dass Ihnen die Person nicht egal ist, Sie aber trotzdem nicht für die Lösung zur Verfügung stehen.
  • Nein, aber dafür kann ich … machen.
  • Nein, aber dafür biete ich Ihnen an ….
3.    Kündigen Sie Ihr „Nein“ an
Sie haben schon oft den Notfallsanitäter übernommen, aber jetzt ist klar, dass Sie das in Zukunft nicht mehr machen werden. Ein letztes Ja ist nur mehr ein kleines Zugeständnis an die Bitte des anderen. Bleiben Sie bei Ihrer Ankündigung, sonst leidet Ihre Glaubwürdigkeit.
  • Dieses Mal noch, aber beim nächsten Mal nicht mehr!
  • Ich mache das heute zum letzten Mal, dann musst du für dich eine Lösung finden.
4.    Schieben Sie das „Nein“ auf
Manchmal haben es unsere Gesprächspartner sehr eilig damit eine Arbeit abzugeben. Wenn Sie um Bedenkzeit bitten, ist das häufig für die Bittsteller derart unangenehm, dass sie die Aufgabe lieber selber erledigen. Der Zeitpuffer ermöglicht es Ihnen wiederum, eine für Sie gute Entscheidung zu treffen.
  • Hat diese Entscheidung noch Zeit?
  • Kann ich mir das noch mal überlegen?
  • Bis wann brauchst du eine Antwort?
5.    Fragen Sie nach den Konsequenzen
Häufig scheuen wir vor einem klaren Nein zurück, weil wir Angst vor unangenehmen Konsequenzen haben. Eine Angst, die durchaus berechtig ist. Nicht jeder reagiert unbedingt erfreut, wenn Sie eine Bitte ablehnen. Hier packen Sie den Stier bei den Hörnern, wenn Sie den Mut aufbringen, Ihren Gesprächspartner direkt nach den Konsequenzen zu fragen. Ein Ja nur aus Angst vor den möglichen Reaktionen anderer, macht auf Dauer niemandem Freude.
  • Was würden Sie jetzt tun, wenn ich Nein sage?
  • Was bedeutet das für mich, wenn ich Nein sage?
6.    Setzen Sie Bedingungen
Sie bekommen zu Ihren Aufgaben noch zusätzlich einen – dringenden – Auftrag hinzu. Aus Erfahrung wissen Sie, dass es unmöglich ist alles innerhalb der gewünschten Zeitspanne zu erledigen – sagen Sie das auch.
  • Ich kann das gerne übernehmen, allerdings kann ich nicht beide Aufträge gleichzeitig fertig haben und brauche deswegen jemanden, der mich unterstützt.
  • Ich kann das nur machen, wenn …
  • Ich kann entweder das eine, oder das andere fertig stellen. Beides gleichzeitig geht sich bis morgen nicht aus.
7.    Nehmen Sie’s mit Humor
Humor ist eine wundervoll entspannende Möglichkeit, ein Nein zu verpacken. Gerade, wenn Sie mit indirekt angesprochen Bitten bedacht werden, wenn z.B. eine Kollegin Ihnen erzählt, wie viele unterschiedliche Aufgaben Sie heute noch erledigen muss, wo Sie sich auch noch nicht einmal zuständig fühlt ….
  • Ja, ja ich komme mir auch manchmal vor wie das MFA – zur Erklärung der Titel MFA ist eine Erfindung in Anlehnung zu den vielen Kurzbezeichnungen in der Welt des Business, wie CEO, CFO … und bedeutet: Mädchen für Alles!
  • Das kenne ich auch! … und lächeln …
8.    Befristen Sie das Nein
Häufig muss man gar kein striktes Nein sagen. Wenn man die Erfüllung der Bitte aufschieben kann, sind Sie durchaus bereit Sie zu erledigen.
  • Im Moment geht es gerade nicht, wenn du später noch einmal vorbei kommen kannst.
  • Heute habe ich keine Zeit mehr dazu, wenn es dir nichts ausmacht, wenn ich es morgen erledige …
9.    Zeigen Sie Verständnis
Bringen Sie Ihrem Gesprächspartner für sein Anliegen Verständnis entgegen. Verständnis zu zeigen, bedeutet nicht automatisch auch mit der Übernahme einverstanden zu sein.
  • Dass du so im Zeitstress bist, tut mir leid. Trotzdem kann ich dir nicht aushelfen.
  • Euer Team steht da wirklich unter sehr großem Druck. Das kann nun wirklich jeder sehen. Trotzdem kann kein Mitarbeiter von uns zu Euch wechseln, sonst ergeht es uns ganz gleich.
10.    Danke!
Dass andere uns eine Arbeit anvertrauen wollen, oder uns um Unterstützung bitten, tut uns auch ganz wohl. Sie schätzen uns, wegen unserer Kompetenz und ob unserer Hilfsbereitschaft. Es ist eine schöne Geste sich für dieses Vertrauen in uns als Person zu bedanken.
  • Ich fühle mich wirklich geehrt, dass Sie da an mich denken, aber leider ist mein Terminkalender schon voll.
  • Wow, Danke! Das ist ein wundervolles Kompliment an mich, dass du mir das zutraust, aber leider kann ich nicht.
Und noch ein Tipp, wie Sie sich selbst unterstützen können:

Erlauben Sie sich selbst, Nein zu sagen – es ist Ihr gutes Recht! Ja werden Sie antworten, ich werde das nächste Mal daran denken. Nur unserer Gedanken sind von flüchtiger Natur. Schreiben Sie deshalb Ihren Vorsatz auf einen kleinen Zettel: „Ich darf Nein sagen, wenn ich will!“ Stecken Sie diesen Zettel in Ihre Kleidung, so dass Sie ihn bei Bedarf jederzeit lesen können. Es hilft – probieren Sie es einfach aus, was kann schon schief gehen?

Zum Schluss eine Geschichte

Von Paul Watzlawick, der wesentliche Erkenntnisse zur Theorie über die menschliche Kommunikation beigetragen hat – stammt folgende Geschichte aus seiner Arbeit als Psychotherapeut.

Eine junge Frau, die das Problem hat, nicht Nein sagen zu können kommt zum Therapeuten. Ihr ständiges „Ja“ zu allem hat in ihrem Leben schon zu erheblichen Schwierigkeiten geführt. Sei es an ihrem Arbeitsplatz, aber auch in ihren Beziehungen zu ihren Lebenspartnern. Der Therapeut lädt sie in eine Therapiegruppe ein, in der mehrere Personen gemeinsam an ihren jeweils persönlichen Fragestellungen arbeiten. Im Verlauf der Sitzung, in der es zunächst um die Fragen einiger anderer Teilnehmer geht, fordert der Therapeut die genannte Frau auf, aufzustehen und jedem Teilnehmer der Gruppe mit lauter Stimme direkt ins Gesicht zu sagen: „Nein!“. Darauf hin wendet sich die Frau an den Therapeuten, deren Problem es ist, gerade nicht Nein sagen zu können: „Nein, das kann ich nicht!“

Wir wünsche Ihnen viel Erfolg beim sanften „Nein" sagen!

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