Killerphrasen

Was uns aushebelt

Versetzen Sie sich einmal in folgende Situation. Sie haben in einem Teammeeting einen Vorschlag eingebracht, der zugegebener Weise, von den üblichen Handlungsstrategien, abweicht. Ihnen ist diese „neue“ Idee spontan gekommen, weil alle bisherigen Verfahrensweisen sich als wenig nützlich erwiesen haben und das Team immer noch nicht das erwünschte Ziel erreicht hat. Einer Ihrer lieben Kollegen entgegnet auf Ihren Vorschlag „Das wird niemals funktionieren“. Zusätzlich lächelt er wissend seinen Sitznachbarn an und lehnt sich entspannt in seinen Sessel zurück. Er erntet von mehreren Kollegen zustimmendes Nicken.

Kommt Ihnen eine derartige Situation bekannt vor? Falls ja , wie geht es Ihnen dabei?

Was sind Killerphrasen?

Killerphrasen unterscheiden sich von einem wirklichen Argument dadurch, dass der Sprecher damit keinerlei Beitrag zur Diskussion leistet, sondern aufkeimenden Ideen, keinerlei Chance gibt, überhaupt diskutiert zu werden. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie pauschal, blockierend, abwehrend und häufig auch abwertend sind.

Killerphrasen sind niemals sachlich, sondern immer emotional. Und genau so ist auch ihre Wirkung. Sie treffen uns im wahrsten Sinne des Wortes, machen uns mundtot, ärgern und frustrieren uns und bringen uns aus dem Konzept. Sie lenken uns vom Thema ab. Der, der sie einsetzt, versucht jedenfalls Gewinn daraus zu ziehen.

Die Hitliste

Killerphrasen kennen Sie alle. Fertigen Sie Ihre ganz persönliche Liste mit Aussagen an, auf die Ihnen in Gesprächssituationen keinerlei geeignete Entgegnung einfällt und lassen Sie sich dann von meinen Tipps zu reagieren, inspirieren. Sich die Killerargumente bewusst zu machen ist schon der erste Schritt einen gelasseneren Umgang mit ihnen zu finden.

Mein ganz persönlicher Favorit:
"Das musst du schon verstehen!" – meine verärgerte Reaktion darauf: "Gar nichts muss ich, wenn ich nicht will!"

Mein gelassenerer Umgang damit:
"Ich verstehe dich sehr wohl, und trotzdem bin ich nicht einverstanden damit. Für mich wäre es hilfreich, wenn wir darüber sprechen, wie wir beide zufriedenstellend mit dieser Situation umgehen können."

... und damit kann ein konstruktives Gespräch beginnen.

Eine weitere - nicht vollständige - Sammlung:
  • Das geht sowieso nicht.
  • Wie doch jeder weiß...
  • Das ist grundsätzlich richtig, aber bei uns nicht anwendbar.
  • Auch Sie werden sich der Tatsache nicht verschließen können, dass ...
  • Um das beurteilen zu können, fehlt Ihnen das Fachwissen.
  • Dazu fehlt uns die Zeit.
  • Durch Ihren Einwand geben Sie zu erkennen, dass...
  • Haben Sie überhaupt einen Hochschulabschluss?
  • Das haben schon fähigere Leute als Sie nicht lösen können.
  • Das ist doch bloße Theorie.
  • Bekanntlich ist es so, dass ...
  • Das geht uns nichts an.
  • Mit diesem Vorschlag werden Sie Ärger kriegen.
  • Das ist doch längst überholt.
  • Das hat Professor X längst geklärt.
  • Das können Sie schwarz auf weiß nachlesen.
  • An Ihrer Stelle würde ich das auch behaupten.
  • Wir haben da so unsere Grundsätze.
  • Die jetzige Situation fordert, dass ...
  • Haben Sie schon berücksichtigt, was für eine Papierflut das zur Folge hat?
  •  … usw. usw…

Nicht Angriff, noch Verteidigung sondern Chance

Wenn Menschen mit Killerphrasen argumentieren hat, das völlig unterschiedliche Ursachen. Die häufigsten Gründe für unfaire Argumentation sind
  • die Diskussion brisanter Themen
  • die Gesprächspartner sind emotional stark beteiligt
  • die Fronten sind verhärtet
  • der Angreifer will damit von den eigenen schwachen Sachargumenten ablenken
  • oder er hat gar keine gewichtigen Sachargumente vorzuweisen
  • wenn jemand unbedingt Recht behalten will
  • wenn jemand Angst vor Veränderung hat …
Wir haben nicht immer Gelegenheit und Zeit, diesen Ursachen auf den Grund zu gehen. Allerdings sollten Sie bei sich selbst Nachschau halten. Wo genau treffen die Argumente des anderen uns? Ein dummer Spruch über Frauen in Führungspositionen wird uns wenig anhaben können, wenn wir uns in unserer Position wohl fühlen. Wem allerdings sie nötige Selbstsicherheit fehlt, dem wird eine verbale Attacke dieser Art zusetzen. Die Chance liegt nun darin, uns mit uns selbst zu beschäftigen und in Ruhe zu analysieren, was uns da so sehr verletzt und zu überlegen, wie wir uns damit in Zukunft aussöhnen können.

Die zweite Chance in Killerphrasen liegt darin – vorausgesetzt Sie haben Ihre Favoriten entlarvt und bearbeitet – sie als Trainingsgelegenheit zu nutzen. Nicht mit Sorge zu fürchten, dass Sie attackiert werden, sondern die Herausforderung gelassen anzunehmen und mit einer vorbereiteten Entgegnung zu reagieren.

Möglichkeiten zu reagieren

Wer seine ganz speziellen Reizsätze kennt, sollte darauf in unterschiedlicher Weise reagieren können. Das Ziel, das Sie dabei anstreben wollen, muss Ihnen dabei im vorab klar sein. Ihre Reaktion wird anders aussehen, wenn Sie eine sachliche Diskussion anstreben, als wenn Sie klar stellen wollen, dass Sie eine persönliche Beleidigung nicht auf sich sitzen lassen wollen.

Angriff als Verteidigung
Besonders, wenn Sie bereits mehrmals vom selben Gesprächspartner mit "dummen Sprüchen" angegriffen worden sind, wird diese Methode einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bedenken Sie allerdings, dass Sie sich damit verbal auf dasselbe Niveau begeben und damit grundsätzlich das Gesprächsklima nicht verbessern.

"Sie sind doch viel zu jung, sammeln Sie zuerst ein bisschen Erfahrung."
"Dass ich jünger bin als Sie, bestreite ich nicht, allerdings schütz Alter auch vor Dummheit nicht."

Humor
Wenn es Ihnen gelingt mit Humor auf eine verbale Attacke zu reagieren, können Sie damit die die Schärfe aus der Situation zu nehmen. Im besten Fall muss der Angreifer selbst mit lachen.

"Das haben wir schon immer so gemacht."
"Das hat noch nie funktioniert."
"Wenn das ginge, hätte es längst jemand anders so gemacht."
"… Sprach das Mammut!"

Fragen stellen

Mit einer Frage spielen Sie den Ball geschickt dem Angreifer zurück. Jetzt ist er an der Reihe zu reagieren, will er sich seinerseits nicht blamieren.

"Für Sie als emanzipierte Frau müsste es doch selbstverständlich sein..."

"Warum sagen Sie das jetzt?"
"Was genau möchten Sie damit ausdrücken?"
"Wie meinen Sie, dass uns diese Killerphrase jetzt weiter bringt?"
"Warum?"

Bleiben Sie cool
Sie müssen nicht jeden „Ball“ annehmen, der Ihnen zugespielt wird. Wenn Sie die Situation gut im Griff haben, können Sie ganz ruhig die Killerphrase ignorieren, oder auch ganz bewusst nicht darauf eingehen.

"Ja, danke! Dennoch möchte ich zurück zum eigentlichen Thema kommen …"

Absichtliches Missverstehen
Sollte Ihr Gegenüber besonders zynische Bemerkungen machen, ist das eine gute Ausweichstrategie. Sie zeigen damit an, dass Sie die Ironie sehr wohl gehört haben, aber zugleich nicht bereit sind auf die verbale Attacke einzusteigen.

Sie haben einen Vorschlag eingebracht und der wird sogleich von einem Kollegen zynisch kommentiert mit

"Na, da hat ja wieder mal wer eine tolle Idee."
"Freut mich sehr, dass Sie das auch so sehen!"

Meta-Ebene
Meta kommt aus dem Griechisch und bedeutet soviel wie „über“. Für Kommunikationssituationen bedeutet das Einnehmen einer Meta-Ebene das Gespräch zu reflektieren, darüber zu sprechen, wie man miteinander reden will. Nennen Sie das Kind beim Namen und steigen Sie aus der inhaltlichen Diskussion heraus und machen Sie die Art und Weise des Umgangs miteinander zum Gegenstand des Gesprächs.

"Ich möchte jetzt einmal unser aktuelles Thema zur Seite stellen und Ihnen sagen, wie es mir mit der Art und Weise geht, in der wir hier miteinander reden …"
"… wie es mir mit dem Verlauf des Gesprächs geht…"
"… wie es mir geht, mit dem wie wir hier miteinander reden. Und da habe ich den Eindruck, dass der letzte Beitrag nur eine pauschale und unsachliche Killerphrase war."

Im besten Fall wird durch Ihre emotionale Offenheit ein Gesprächsklima ermöglicht, das von Sachlichkeit und Respekt geprägt ist.

Resümee

Sobald Sie einen für Sie geeigneten Stil des Entgegnens gefunden haben, wird es Ihnen leichter fallen auf die verschiedensten Killerphrasen zu reagieren. Betrachten Sie es als sportliche Herausforderung und freuen Sie sich auf das nächste Killerargument, das Ihnen die Gelegenheit bietet Ihre Kommunikationsfähigkeit zu trainieren.  


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