Ich-Botschaften, einfach und wirkungsvoll

Von der Kraft der Worte

Wer ein persönliches Problem mit einem anderen Menschen hat, sieht oft nur die Alternativen zwischen einer Schuldzuweisung und dem Unterdrücken von Emotionen. Beide Verhaltensweisen sind einseitig und letztendlich erfolglos. Was aber tun und wie den Gesprächspartner darauf aufmerksam machen, dass ICH eine andere Meinung habe, oder ICH mir z.B. ein anderes Verhalten von einem Mitarbeiter erwarte? Was ICH möchte ist, dass der andere mich versteht, ohne dass er sich dabei angegriffen fühlt oder dass ICH ihn dabei verärgere.

Wo liegt das Problem?

  • „Ich“ fühle, statt „Du“ bist schuld. Und „Ich“ bin überzeugt davon, dass „Wir“ eine gemeinsame Lösung finden.
Mit Hilfe von Ich-Botschaften kann es gelingen den Anderen darauf aufmerksam zu machen, wie sein Verhalten erlebt wird und was es für einen selbstbedeutet - im positiven wie im negativen Sinn. Das heißt, dass eine Ich-Botschaft weit über eine sachliche Mitteilung hinausgeht. Sie ist eine ehrliche, offene emotionale Äußerung, die die eigene Meinung und die dabei empfundenen Gefühle mitteilt.
  • „Ich habe ein Problem mit deinem Handeln und das tut mir nicht gut.“
Diese respektvolle Emotionalität macht den Gesprächspartner betroffen.

Die Struktur von Ich-Botschaften

Wahrnehmung
Beschreiben Sie das Verhalten oder das Geschehen. Versuchen Sie sich vorzustellen, Sie beobachten die Situation durch eine Kamera. Das erleichtert es für Sie im Gespräch beim Beschreiben zu bleiben und nicht sofort eine Interpretation oder eine Bewertung vorzunehmen. Auf gar keinen Fall sollten Sie Ihren Gesprächspartner oder dessen Charakter angreifen.

Wirkung, Gefühle und Gedanken
Benennen Sie die erkennbaren und konkreten Konsequenzen für Sie selbst. Sprechen Sie über Ihre Gedanken, und sprechen Sie vor allem darüber, welche Gefühle sie bei Ihnen auslösen.

Wichtig!
Erklären Sie, welche Bedürfnisse oder Werte, mit Ihren Gefühlen verbunden sind. Mit Begründungen können wir alle gut umgehen. Weiter unten im Text finden Sie eine Reihe von Formulierungshilfen – Weil, weil, weil …

Wünsche und Erwartungen
Vollständig wird eine Ich-Botschaft, wenn Sie Ihrem Gesprächspartner eine Alternative anbieten. Formulieren Sie Ihre Wünsche und Erwartungen positiv, beschreiben Sie welches realistische Verhalten und Handeln Sie sich erwarten, überlassen Sie dennoch die Entscheidungsfreiheit Ihrem Gesprächspartner.

Ein Beispiel

Wahrnehmung
"Frau M. wir sind bereits seit 20 Minuten hier verabredet."

Wirkung, Gefühle, Gedanken
"Ich bin total verärgert! Ich fühle mich so nicht ernst genommen."

Wichtig!
"Weil für mich Pünktlichkeit zu respektvollem Miteinander unbedingt dazu gehört."

Wunsch
"Bitte rufen Sie mich auf meinem Handy an, wenn Sie nicht pünktlich kommen können."

Weil, weil, weil,…

Wer Ich-Botschaften energievoll formulieren will, spricht über sich selbst und seine Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen. Das ist für viele Menschen schon im privaten Alltag schwierig genug und im Berufsalltag meist ungewöhnlich. Wir alle können aber mit den Wünschen oder Forderungen anderer Menschen wesentlich besser umgehen, wenn wir eine Begründung für die – häufig hochemotionalen – Äußerungen bekommen.

ICH spreche über meine Gefühle: ICH bin wütend, verärgert, irritiert, enttäuscht …
  • weil mir Offenheit, Freundschaft, Kundenzufriedenheit … so wichtig ist
  • weil ich großen Wert auf Ordnung, Genauigkeit, Pünktlichkeit … lege
  • weil mir … so am Herzen liegt
  • weil ich so gerne … habe/hätte
  • weil … für mich ein ganz zentraler Punkt ist
  • weil ich ... an Menschen so besonders schätze
  • weil das für mich einfach dazu gehört

Ich-Botschaften brauchen Mut

Wer eine Ich-Botschaft formuliert, deckt ein Stück seelischen Befindens auf. Er öffnet sich damit, wird angreifbar und verletzbar, und das verursacht oft Angst. Es braucht darum einen gewissen Mut, seine verletzten und verstörten Gefühle einem anderen – und ausgerechnet demjenigen, mit dem man ein Problem hat – mitzuteilen. Gerade im beruflichen Alltag sind wir alle – wahrscheinlich deswegen – vorsichtig mit den Mitteilungen über uns selbst. Denn gerade Äußerungen über die eigene Befindlichkeit werden im beruflichen Kontext nicht selten als unangemessen bewertet, oft sogar als gefährlich. Schließlich könnten die anderen dies als Mangel an Belastbarkeit interpretieren.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass durch eine Ich-Botschaft in der Regel beim Gesprächspartner auch die Bereitschaft erhöht wird, seinerseits von seiner Gefühlslage zu berichten.

Ich-Botschaften wirken

  • Der Sprecher einer Ich-Botschaft ist ein Mensch mit Gefühlen, mit Stärken und Schwächen und nicht ein Halbgott, der über den Dingen steht oder sich hinter einer sachlichen Auseinandersetzung verschanzen will. Menschlichkeit immer eine Einladung an die Kooperation.
  • Ich-Botschaften sind eine wichtige Methode der Deeskalation, da sie dem Empfänger das Nachgeben und Einlenken leichter machen.
  • Ich-Botschaften fördern Ich-Botschaften des anderen. Dadurch entsteht eine Atmosphäre der Offenheit und Vertrautheit. Erst über diese Brücke kann es häufig gelingen wieder sachlich miteinander eine Konfliktsituation zu lösen.
  • Manche Ich-Botschaft ist allerdings gar keine echte, sondern ein Vorwurf, eine Beschuldigung, ein Urteil, in Wirklichkeit eine Du-Botschaft:„Ich finde, Sie sind faul.“ ist gleich „Sie sind faul.“
  • Manche Ich-Botschaft tritt verdeckt auf und wirkt dann unter Umständen besonders verletzend.
„Das ist doch blanker Unsinn.“

als Entgegnung auf etwas Gesagtes entspricht

„Sie reden blanken Unsinn.“

Fairer wäre

„Ich kann den Sinn von dem, was Sie sagen, nicht erkennen.“

Ich-Botschaften sind kein Zaubermittel, aber es ist ein guter Weg, kommunikativ auf verfahrene Situationen zu reagieren. Wer einmal öfter dem anderen Gelegenheit gibt einen Blick in sein persönliches Innenleben zu werfen, eröffnet damit Chancen auf einen konstruktiven Austausch von Kritik und ebnet damit den Weg zur gelungen Kooperation. Mit Hilfe von Ich-Botschaften kann jeder aktiv und energievoll dazu beitragen.

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