Kann man Gespräche "nur" sachlich führen?

Frage

In unseren Teammeetings geht es manchmal schon recht zur Sache. Was heißen soll, es wird nicht mit gegenseitiger Kritik gespart, obwohl es eigentlich darum geht ein neues Projekt zu planen und zu konzipieren. Es werden dabei alte Leichen im Sinne von Arbeitsleistungen, die dem Einzelnen nicht so gut gelungen oder gar misslungen sind, aus dem Keller geholt und als Gegenargument verwendet. Schnell wird so aus einer Arbeitssitzung eine Kampfsitzung, in der es hauptsächlich darum geht, dem anderen klar zu machen, dass man wenig von seinen Kompetenzen hält.

Ich frage mich nun, kann es überhaupt gelingen Gespräche, in denen man unterschiedlicher Auffassung ist, „nur sachlich“ zu führen?


Wir wollen doch sachlich bleiben!

„Mir geht es nur um die Sache“ ist und bleibt ein frommer aber unerfüllbarer Wunsch. Wir Menschen sind nun mal keine Computer, sondern reagieren auf unserer Umwelt mit Herz und Verstand – und das ist auch gut so! Genauso Tatsache ist aber, dass es zu den ungeübtesten Fähigkeiten gehört, eine Sachkontroverse ohne Feindseligkeiten und Herabsetzungen auf der menschlich, emotionalen Ebene zu führen. Wer nicht meiner Meinung ist, wird als Feind und lästiges Übel empfunden und dementsprechend behandelt. Wir schlagen verbal zu und das, wenn möglich „unter der Gürtellinie“.

Sachebene und Beziehungsebene

Sachinhalte kann ich umso klarer und verständlicher mitteilen, wenn ich meinen Gesprächspartner als Menschen akzeptiere. Das Ziel besteht darin, meinen Sachstandpunkt mit dem Respekt vor meinem Meinungsgegner zu verbinden.
Die Kommunikationstheorien haben dafür ein schönes Modell entworfen. Alles Kommunizieren findet auf mehreren Ebenen statt. Jede Botschaft, die wir senden enthält eine Beziehungs- und eine Sachebene. Immer teilen wir, auch wenn wir „nur ganz sachlich“ argumentieren wollen, zusätzlich eine Botschaft darüber mit, wie wir den anderen sehen und was wir von ihm halten.

Wir brauchen uns nur einmal selbst beim Sprechen beobachten: Welche Worte wählen wir, wenn uns jemand lieb und teuer ist – unser Lebenspartner –, und wie wenig sorgfältig wählen wir unserer Worte jemandem gegenüber aus, mit dem wir ohnehin nichts zu schaffen haben wollen?

Unsere „unsachlichen“ Impulse lassen sich auf keinen Fall aus unserer Empfindungswelt entfernen. Unser Ärger über misslungene Projekte ist real, unsere Missstimmung über wenig kooperative Mitarbeiter ist ebenso Realität. Wer glaubt, sich selbst diese Realitäten verbieten zu können, bleibt bei „nur sachlichen“ Gesprächen auf der Strecke. Der unausgesprochene Ärger belastet die Kommunikation stärker - dicke Luft –, als wenn man sich wirklich einmal Luft macht.

Wie wäre es damit:

„Ich bin von meiner Sache überzeugt – damit mag ich richtig oder falsch liegen. Sagen Sie Ihren Standpunkt und hören Sie meinen. Vielleicht sind wir zu zweit schlauer als jeder für sich!“

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